«Die Konflikte nehmen zu»

«Ich bin als Fahrlehrer täglich bis zu acht Stunden in Winterthur unterwegs. Zu den unterschiedlichsten Tageszeiten. So erhalte ich einen ziemlich guten Einblick in die heutige Verkehrssituation der Stadt. Aus meiner Sicht eignet sich Winterthur perfekt für die Fahrausbildung. Die Situation auf den Strassen ist anspruchsvoll und vielfältig. Man hat die ganze Bandbreite: Von der verkehrsberuhigten Zone, über mehrspurige, stark befahrene Strassen bis hin zu den Autobahnanschlüssen. So lernen meine Schülerinnen und Schüler innert kürzester Zeit mit den unterschiedlichsten Verkehrskonstellationen umzugehen. Doch in den letzten Jahren hat sich manches verändert. Zwar sind die Menschen auf den Winterthurer Strassen allgemein etwas entspannter unterwegs als in Zürich. Und trotzdem: Der Stress auf der Strasse ist auch hier grösser geworden. Es hat deutlich mehr Autos als früher. Und auch mehr Staus. Besonders natürlich im Feierabendverkehr. Leider hat sich auch das Klima zwischen Auto- und Velofahrern verschlechtert. Viele Verkehrsteilnehmer sind gereizt, abgelenkt und haben zu wenig Geduld. Das gegenseitige Verständnis hat definitiv abgenommen. Die Konflikte nehmen zu.

Täglich beobachten meine Fahrschüler und ich heikle Situationen im Strassenverkehr. Wir waren auch schon Augenzeugen von Unfällen mit Velofahrern. Glücklicherweise konnte ich bis heute solche Kollisionen vermeiden. Ich griff noch immer rechtzeitig ein. Bevor eine gefährliche Situation überhaupt entstehen konnte. Diese vorausschauende Fahrweise fehlt leider vielen. Sowohl Autofahrern als auch Velofahrern. Ich bin selber Velofahrer und kenne deshalb auch die andere Seite. Zwar gebe ich offen zu, dass ich lieber im Grünen als in der Stadt fahre. Denn in der Stadt hat man es als Velofahrer nun tatsächlich nicht so ganz einfach. Dennoch verstehe ich nicht, wie verantwortungslos manche unterwegs sein können. Gerade in der Dämmerungszeit. Viele Velofahrer fahren selbst dann noch ohne Licht. Und das nicht selten mit dunkler Kleidung. Als Autofahrer erblickt man sie oft wirklich erst im aller letzten Moment. Dadurch setzen sich die Velofahrer einem vielfach höheren Unfallrisiko aus.

Zudem beobachte ich in Winterthur immer wieder, wie Velofahrer das Rotlicht missachten – oder viel zu schnell unterwegs sind. Vor allem dann, wenn sie auf eine Kreuzung zusteuern oder in einen Kreisel hineinfahren. Dies trifft insbesondere auf die E-Bikes zu, die Geschwindigkeiten von über 50 km/h erreichen können. Das ist meiner Meinung nach in solchen Situationen deutlich zu schnell.

Es wäre gut, wenn sich ein Velofahrer hie und da in die Lage eines Autofahrers versetzen könnte. So wie dies meine Fahrschülerinnen und Fahrschüler tun. Die meisten von ihnen haben selber ein Velo. Nicht wenige sagen zu mir, dass sie erst jetzt erkennen würden, in was für heikle Situationen man sich als Radfahrer oft begebe. Denn meine Schüler merken schnell, dass ein Autofahrer nicht ständig eine 360-Grad-Übersicht haben kann.

Das weiss ich auch aus meiner früheren Zeit als ich als Lastwagenfahrer unterwegs war. Die Fahrerkabinen sind zwar mit besonderen Spiegeleinrichtungen ausgestattet. Aber man kann unmöglich ständig in alle Spiegel gleichzeitig schauen. Und das wiederum kann für Velofahrer verhängnisvoll sein, wenn sie sich knapp am LKW vorbeischlängeln wollen.

Ich glaube nicht, dass Velofahrer generell einen Nachhilfeunterricht in Sachen Verkehrskunde brauchen. Es mangelt wohl eher manchmal an der richtigen Einstellung und Haltung. Dies gilt aber auch für einzelne Autofahrer. Einige von ihnen handeln schlicht fahrlässig. So wird beispielsweise längst nicht immer darauf geachtet, dass man beim Überholen einen genügend grossen Abstand zu den Velofahrern hat. Aber auch das richtige Einspuren ist nicht allen bekannt, da es früher nicht geschult wurde.

Wir brauchen für die Zukunft allgemein mehr Rücksichtnahme und weniger Egoismus. Und zwar gegenüber allen Verkehrsteilnehmern. Wichtig dabei ist, dass man nicht immer auf sein Recht und seinen Vortritt beharrt. Zudem müssen wir vermehrt lernen mit den Fehlern der andern zu rechnen, um so rechtzeitig mögliche Gefahrensituationen erkennen zu können.»

Piero Mancuso

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